Münster, 27. März 2010 - Auf der letzten Gemeindevertretersitzung am 15.3. stand der Verkauf des Gemeindehauses Kirchstraße 16 in Altheim auf der Tagesordnung. Die Baukommission hatte zuvor bereits für den Verkauf gestimmt, nun sollte das Parlament den Beschluss bestätigen. Die SPD-Fraktion steht diesem Verkauf allerdings äußerst skeptisch gegenüber. „Was uns daran besonders stört ist die Tatsache, dass in der Begründung nur von einer wirtschaftlichen Rentabilität bei der Sanierung des Gebäudes ausgegangen wird“, begründete SPD-Gemeindevertreter Bernd Mürdter die Skepsis. „Bei der Bewertung des Gebäudes wird demnach nur von bautechnischen Gründen gesprochen. Auf die soziale Verantwortung bezüglich der Bewohner des Hauses wird in keinster Weise hingewiesen.“
Denn: In diesem Haus wohnt seit 1965 eine Großfamilie über 3 Stockwerke verteilt, die große Lebensängste sowie Existenzprobleme jeglicher Art bekämen, wenn sie mit einem Zwangsumzug konfrontiert werden würde.
Die 77-jährige Großmutter wohnt mit ihrem 51-jährigen sehbehinderten Sohn im obersten Stockwerk des Hauses, im ersten Stock lebt eine Tochter mit ihrem 22-jährigen sehbehinderten Sohn sowie mit ihrer 19-jährigen Tochter, und im Erdgeschoss wohnt eine weitere Tochter mit ihrem Ehemann. Ein Umzug würde, insbesondere für die beiden sehbehinderten Männer, eine völlige Umorientierung in einer fremden Umgebung bedeuten. Darüber hinaus ist der Schwiegersohn in der Erdgeschosswohnung der einzige in der Großfamilie, der im Besitz eines Autos ist. Er hat damit eine für die ganze Familie existenzsichernde Funktion.
Im Gespräch mit der Großmutter der Familie betonte diese, dass sie von Seiten der Gemeinde niemand auf die Verkaufsabsicht hingewiesen habe. Erst durch die Veröffentlichung der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung in der Ortspresse erfuhr die älteste Bewohnerin des Hauses von der Absicht der Gemeinde. Aus Sicht der SPD ist es sozial unverantwortlich, die Bewohner mit einem Verkauf zu überrumpeln. Bürgermeister Walter Blank (CDU) verwies zwar darauf, dass die Bürger angeblich informiert worden seien. Auf die Frage, wer denn mit den Bewohnern gesprochen habe, konnte aber doch keine hinreichende Antwort gegeben werden. SPD-Abgeordneter Bernd Mürdter hatte von den Bewohnern selbst zuvor Gegenteiliges erfahren.
Die SPD setzt sich dafür ein, vom Verkauf solange abzusehen, bis die soziale Situation im Einvernehmen mit den Betroffenen geklärt ist. Immerhin konnte in der Gemeindevertretersitzung erreicht werden, dass die Situation seitens der Gemeinde noch einmal geprüft wird. „Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass nur die Opposition der SPD in Münster darauf achtet, dass das Soziale in der Politik nicht untergeht“, sagte Fraktionsvorsitzender Klaus Bulang nach der Sitzung.