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Transparenz ist die Voraussetzung für Entscheidungen

Veröffentlicht am 10.05.2021 in Presse

Die aktuelle Diskussion zum Thema Ausbau Mozartstraße zeigt deutlich, welche Auswirkungen das Fehlen von Transparenz und gegenseitigem Verständnis nach sich zieht. Für die Anwohner der Mozartstraße ist der geplante Ausbau in Form der Variante 3 mit Bevorzugung des Autoverkehrs in keinster Weise nachvollziehbar.

In den öffentlichen Medien wurde ausführlich berichtet und auf der Gemeinde-Website kann man sich über die Ausbaumöglichkeiten informieren.
Für den Ausbau der Mozartstraße gibt es 3 Planungsmöglichkeiten, die seitens des Ingenieurbüros Reitzel erstellt wurden:

  • Variante 1: Vorzug für Fußgänger und Fahrradfahrer (Gehwege 2,5m, Fahrbahn 5m)
  • Variante 2: Vorzug für geregeltes Parken (Gehwege 2m, 2m Parken, Fahrbahn 4,5m)
  • Variante 3: Vorzug Verkehrsfluss (Gehwege 1,75m, Fahrbahn 6,5m)

Zum Vergleich der Ist-Zustand: Gehwege links und rechts je 2 m, Fahrbahn 6 m.

Die Anwohner der Mozartstraße wurden am 29.04.2021 in einer Online-Veranstaltung von Bürgermeister Joachim Schledt und der Verwaltung über den Stand der Dinge informiert. Dabei favorisierte man die Variante 3, da diese laut des Ingenieurbüro Reitzel, die Funktionalste wäre. Warum eine Wohnstraße in eine funktionale Straße mit mehr Verkehrsfluss umgebaut werden soll, wurde nicht näher erläutert. Dies lässt Raum für Spekulationen.

In der Veranstaltung wurde auch der Anschluß der Mozartstraße an das Frankenbachgelände zum Thema. Die neue Mehrheit im Gemeinderat, CDU und FDP, möchte auf dem Frankenbachgelände ein reines Gewerbegebiet erstellen. Das verunsichert die Anwohner noch mehr.
Manfred Löbig, Anwohner der Mozartstraße, fügt hinzu: „Als Klimaschutzkommune mit dem Anspruch eine Wohlfühlkommune zu sein, werden wir es nicht hinnehmen, dass ein Wahlversprechen (z.B. Gewerbegebiet auf dem Frankenbachgelände) über die Mozartstraße angeschlossen wird oder werden könnte. Und wenn dann alle verbalen Beteuerungen ernst gemeint sind, dann kann der Ausbau nur nach Variante 1 erfolgen.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Schrod bewertete die Argumente der Anwohner zu Variante 1 als vernachlässigbar gegenüber dem höheren Nutzen für alle Bürger, der durch Variante 3 entstehen würde. Worin dieser höhere Nutzen liegt, blieb jedoch unbeantwortet. Auch auf Schriftverkehr seitens der Anwohner an die Fraktionen von CDU und FDP kam bisher kein Signal zu einem Gespräch.
Für die Anwohner ist dieses Verhalten wenig erfreulich und man teilt gemeinsam mit den Fraktionen von SPD und Alma die Einschätzung, dass ein höherer Nutzen nicht erkennbar ist. Hinzu kommt, dass das Planungsbüro Reitzel noch vor ein paar Monaten den Ausbau mit Variante 1 positiver als Variante 3 bewertet hat. Da stellt sich die Frage: Warum haben sich auf einmal die Rahmenbedingungen geändert und wie konnte sich die Meinung des Planungsbüros kurzfristig ändern?
Gemeinsam mit den Anwohnern Manfred Löbig, Levent Can und Hubert Wamser haben die Mitglieder der SPD die Varianten erneut diskutiert. Denn Entscheidungen sollten auf Basis von „Verstehen und verstanden werden“ getroffen werden.

Folgende Aspekte sprechen für die von den Bewohnern favorisierte Variante 1:

  • Variante 1 kostet ca. 60.000 € weniger als Variante 3. Die reduzierten Kosten sind aufgrund der Straßenbeitragssatzung für alle Bürger in Münster spürbar, da 65% der Gesamtkosten von ca. 900.000 € auf diese umgelegt werden.
  • Im ursprünglichen Verkehrsplan für das Frankenbachgelände mit Wohnen, Gewerbe und Sozialquartier (Kita und Seniorenwohnanlage) ist die Erschließung komplett über die Göbelstraße geplant. Dies widerspricht der Bevorzugung von Variante 3. Zumal die angrenzenden Straßen wie Richard-Wagner-Straße und Leibnizstraße ihren Charakter behalten und ebenfalls keinen Vorzugs bzgl. Sammelstraßen sind.
  • In der Mozartstraße leben ca. 25 Kinder. Hätten Sie als Anwohner, Eltern oder Großeltern ein gutes Gefühl, wenn eine Wohnstraße zur Verkehrsfluss-(Sammel-)Straße ausgebaut wird?
  • Die Mozartstraße ist Schulweg für viele Kinder aus den anliegenden Straßen. Eine Breite des Fußgängerweges von 1,75m gegenüber 2,5m ergibt ein erhöhtes Sicherheitsrisiko und für alle Elternteile ein ungutes Gefühl.
  • Auch für ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhlfahrer stellt ein Fußgängerweg von 1,75m Breite ein Problem dar. Überlegen Sie selbst, wie 2 Personen aneinander vorbei kommen sollen.
  • Nebenbei ist die Mozartstraße Fahrtradstrecke zum Freizeitzentrum und Dieburg. Jogger nutzen diese als Start und für viele ist diese der Einkaufsweg zu Edeka, Penny und DM.

Somit stellen sich folgende Fragen an die Befürworter des Ausbaus Variante 3 mit Vorzug Verkehrsfluss:

  • • Warum ist Variante 3 die bessere Alternative?
  • • Gibt es Gründe, die bisher noch nicht offen gelegt wurden?
  • • Ist in der heutigen Zeit die Bevorzugung des Verkehrsflusses vor Fußgänger und Fahrradfahrer noch zeitgemäß?
  • • Will man wirklich die Bedenken und Anregungen der Anwohner der Mozartstraße ignorieren oder spielen deren Belange keine Rolle?

Levent Can, Anwohner der Mozartstraße, ruft auf, „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Straße zu einer Rennstrecke ausgebaut wird und das Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Gefährdungen und der Lärmpegel zunimmt. Denken wir an unsere älteren, behinderten Mitbewohner und insbesondere an die Sicherheit unserer Kinder.“

Da im zurückliegenden Wahlkampf alle Parteien immer wieder betont haben, ihre Entscheidungen nur zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger von Münster zu treffen, bleibt die Hoffnung, dass die Gemeindevertreter sich im Sinne und Interesse der Bürger für die von den Anwohner bevorzugte Variante 1 entscheiden.

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